Val Bregaglia / Bergell

Val Bregaglia | Bergell | 2007 – 2016

Mein Bergell

Immer wenn ich das Engadin und mit ihm die aufgeregte Welt hinter mir lassend, durch die engen Serpentinen des Malojapasses ins Val Bregaglia hinabtauchte, eröffnete sich mir aufs Neue ein wohltuendes Gefühl entspannter Konzentration. Und dies seit fünfzig Jahren.

Ich wusste genau, was mich erwartet: Freundliche Menschen, Ruhe und eine Fülle von anmutigen, von Menschenhand, der Geschichte und von der Natur erschaffenen Schauplätzen, welche mit unendlicher Geduld darauf warten, entdeckt, erfahren und fotografisch umgesetzt zu werden.

Zwischen 2007 und 2016 habe ich mich fotografisch auf das Bündner Südtal Bergell konzentriert. Einem idyllischen und trotz seiner Nähe zu St. Moritz vom Massentourismus bisher verschont gebliebenen Tal zwischen der Ortschaft Maloja (CH) und dem italienischen Städtchen Chiavenna.

Eingerahmt von betörend schönen Bergmassiven, wie zum Beispiel der imposanten Bondasca-Gruppe mit dem Piz Badile, ist das Bergell auch Heimat von Europas grösstem Edelkastanienwald (Brentan). Seine Anziehungskraft und Ausstrahlung sind absolut einmalig und suchen ihresgleichen.

Meine Bergeller Fotografien entstanden auf ausgedehnten Streifzügen durch ein Tal, dessen Magie nicht nur mich als fotografierenden Wanderer, sondern auch manch grosse Künstler wie Alberto Giacometti, Giovanni Segantini, Elvezia Michel-Baldin oder Varlin in seinen Bann gezogen hat.

Ich verfüge über ein Archiv von rund tausend Fotografien aus dem Bergell. Die Arbeiten entstanden zwischen 2005 und 2016.

Meine fotografischen Arbeiten über das Bergell erheben in keiner Weise den Anspruch, für das Bergell zu stehen. Interessierte haben vielmehr die Gelegenheit, quasi durch meine Augen hindurch zu sehen, was es mir persönlich im Bergell wert schien, fotografisch festzuhalten.

Weitere Informationen über das Bergell finden sich im Bergell-Blog von Veronika Rall.

Die Katastrophe | 25.08.2017

Am Freitag, den 25.08.2017 haben ein Felssturz beim Bergmassiv Cengalo und ein darauf folgender Murgang im Dorf Bondo und in Spino zahlreiche Gebäude, aber auch Felder und Weidegebiet, Strassen und Wege zerstört. Acht Wanderer wurden von den Felsmassen erfasst. Die Suche nach ihnen wurde inzwischen aufgegeben.


Adieu | Castasegna – Brentan (CH) | 2013 | Limited Edition | © fotoLux.ch

Es ist schrecklich, was passiert ist. Unzählige Male war ich im Bondascatal. Ich liebte es. Seit der Kindheit habe ich Promontogno und das Bergell mehrmals im Jahr besucht. Meine Grosseltern sind in Bondo begraben.

Und jetzt? Aus diesem so anmutigen und mächtigem Bondascatal wurde innert Minuten ein grosses Grab. Furchtbar! Das Bondascatal hat seine Unschuld verloren. Und mit ihm vielleicht auch das Bergell.

Meine Gedanken sind ganz bei den Angehörigen. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als das Unfassbare irgendwie fassbar zu machen. Wie um Himmelswillen sollen sie Abschied nehmen von ihren Liebsten, wo diese doch möglicherweise bereits in ihrem vielleicht nie mehr auffindbaren Grab ruhen? Für sie muss das unvorstellbar hart sein.

Meine Gedanken sind auch bei dem Hüttenwart-Ehepaar der Scoira-Hütte. Auch wenn sie keinerlei Schuld tragen am Tod ihrer Gäste müssen ihre Gedanken an das Unglück unerträglich sein. Davon zeugte eindrücklichst das kürzlich am TV ausgestrahlte Interview mit Barbara Salis-Hofmeister. Vielleicht plagt auch sie die Schuldfrage: „Hätten wir das verhindern können?“ Auch die Verantwortlichen der Gemeinde werden wahrscheinlich grübeln und grübeln.

Mein gesunder Menschenverstand sagt mir laut und klar: Es war ein tragisches und in diesem Ausmass nicht vorhersehbares Unglück, für welches niemand die Schuld trifft. Die Natur kann unerbittlich sein. Vielleicht haben wir das vergessen.

Und die Bewohnerinnen und Bewohner von Bondo? Und jene von Spino? Und die jungen Familien, welche ihr Haus verloren? Oder verlieren werden, weil es an dessen Standort zu gefährlich ist, um weiterhin dort wohnen zu können? Auch ihnen gelten meine Gedanken.

Ich bin fest davon überzeugt, dass nach gebührenden Abschiedsritualen und einer Phase des Trauerns dieses Tal und seine stolzen Bewohnerinnen und Bewohner wieder zu sich finden. In sicheren Zonen werden neue Häuser aufgebaut. Und es entsteht noch mehr: Sie werden ein neues und noch stärkeres Bergell aufbauen. Durchtränkt von noch mehr Kultur und voller Respekt vor der Natur und Ihren Gewalten.

Warum ich davon überzeugt bin? Die Bergellerinnen und Bergeller sind ein stolzes Völkchen. Sie sind hart im Nehmen. Das zeigt auch ihre Geschichte. Aber in ihnen schlummert auch eine unheimliche Kraft. Man denke nur an die berühmten Künstlerinnen und Künstler, welches dieses Bergtal hervorgebracht hat. Aber da ist noch viel mehr!

Wer dieses Tal noch nicht kennt, muss wissen, dass es voller Schätze ist. Besucht und entdeckt dieses Bergtal und seine Menschen. Es lohnt sich echt. Auch wenn man fast nicht mehr davon loskommt.

Und wer helfen will, kann sich bei der Glückskette an der Spendenaktion beteiligen.

Fotografien aus dem Bergell

Bei den folgenden Fotografien handelt sich um eine limitierte Edition von fünf bzw. drei Exemplaren pro Fotografie. Empfohlene Grösse:  30 cm x 40 cm oder 40 cm x 60 cm. Neben den hier gezeigten Werken habe ich im Archiv zahlreiche weitere Fotografien aus dem Bergell. Auch in Farbe.

Empfohlene Präsentation:  Mattes Fotopapier, kaschiert auf einer Aluminiumplatte mit Abstandshalter (hohe Tiefenwirkung, keine Reflexionen). Oder wie hier gezeigt: Präsentiert in einem klassischen Passepartout. Weitere Informationen siehe hier.


Weitere Schwarz-Weiss-Fotografien von Piero Rossi

Canary Islands | Fuerteventura | 2013 | 2014
Canary Islands | Lanzarote | 2013

 

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